Whitewine to the Spargel?

White wine with the Spargel?

Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft mir immer diese eine Frage gestellt wird: „Du, Kai, du hast doch Ahnung von Wein …“, und ich weiß, was jetzt gleich kommt und gebe fast immer die gleiche Antwort: „Ja, ein bisschen sagt man.“ Meist wird meine Antwort ignoriert – vielleicht muss ich Sie in Zukunft etwas genervter geben, aber die Erziehung und das Ego sind wohl dagegen – und es folgt: „Welchen Wein würdest Du mir eigentlich …“
– jetzt läuft vor meinem inneren Auge die Szene aus Dinner for One „white wine with the fish“ ab – „…zum Spargel empfehlen?“ Huch, wir haben Frühling, gestern hat es doch noch geschneit.

Jetzt muss ich abwägen. Der große Vortrag, die kleine Variante oder mache ich es kurz und schmerzlos, empfehle einen Wein und gut ist.

 

Ich muss erst einmal sagen, so etwas wie den perfekten Wein zum Spargel, also den ultimativen Spargelwein, gibt es einfach nicht. Den gibt es aber wirklich für gar kein Gericht!

 

Grundsätzlich ist es wichtig, dass der Wein schmeckt und zwar dem, der ihn trinken will. Das ist eigentlich alles. „Warum?“ könnte man jetzt fragen. Ganz logisch, wer trinkt den Wein denn nur zum Essen? Ich will doch vorher schon mal ein Glas und hinterher natürlich auch eins. Eine Flasche Wein, bei der der erste Schluck nicht vor dem ersten und nicht nach dem letzten Happen genommen wird, ist doch eher ein trauriges Erlebnis und ich kenne niemanden, der sich daran hält.

Also ist die klare Devise: Der Wein muss auch zum Essen passen! Alles andere ist totaler Unfug und führt zu einer zumindest mittelschweren Enttäuschung an der festlichen Tafel.

 

Studio shot of crispy roasted salmon steak

 

Die Kunst eines jeden „Weinempfehlers“ ist es nun, den goldenen Mittelweg zu finden und genau den Wein auszusuchen, der alle Aufgaben erfüllt – vor, während und auch nach dem Essen.

 

Da sind sie nun also wieder, meine 3 Probleme und ich muss mich vorsichtig rantasten. Das Entscheidende ist nämlich nicht der Spargel, sondern wie er zubereitet wird und was es dazu gibt. Rundheraus also, welche anderen Komponenten kommen für einen feucht-fröhlichen Spargelrausch noch auf den Teller. Spargel an sich ist nämlich von Natur aus ein eher geschmacklich zartes Gemüse und man darf ihn nicht mit einer weinigen Dampfwalze in den Boden stampfen. Wenn er aber gegrillt, als Salat mit Essig angemacht, auf der Pizza, im Auflauf, asiatisch oder auch klassisch mit Sauce Hollandaise und Kartoffeln … und jetzt geht es schon wieder los … paniertem Schnitzel, gegrilltem Steak oder pochiertem Fisch gereicht wird – für jede dieser Varianten habe ich jetzt zwei bis drei Weinempfehlungen im Kopf – ich hätte jetzt wirklich den kurzen Weg wählen sollen.

 

Und ich merke, auch mein Gegenüber ist jetzt mit meinen Gegenfragen echt überfordert, da er sich bisher noch gar keine Gedanken gemacht hat, wie er seinen Spargel zubereiten möchte. Er wollte doch bloß eine Empfehlung und nicht die Weltrevolution anzetteln. Aber jetzt gibt es kein zurück mehr. Ich bin mir nur sicher, der fragt nie wieder mal eben nach einer banalen Weinempfehlung.

 

So, jetzt muss ich aber den Druck aus dem Kessel nehmen und dieses komplexe Thema – es gibt ja nicht umsonst die Ausbildung zum Sommelier – für den einfachen Weintrinker wieder verständlich machen. Also zurück zum „Pudels Kern“. Wie schon erwähnt, ist Spargel ein zartes Gemüse und wir benötigen geschmacklich eher einen neutraleren, zartfruchtigen Wein.

 


 

Super geeignet ist hier die Rebsorte Silvaner. Sie passt sich an, übt keine geschmackliche Dominanz aus, ist aber trotzdem frisch und auch allein für sich richtig lecker – geht also auch davor und danach. Also die erste Wahl für die klassische Variante – Kartoffeln, Sauce Hollandaise und Schnitzel, wahlweise auch Lachs.

 

Wilde

 

Spontan bin ich da bei dem Silvaner von dem doch etwas wilden Andi Weigand aus Iphofen. Ideenreichtum, Mut und Entschlossenheit etwas Neues zu wagen und den Dingen der Natur ihren Lauf zu lassen sind das Credo dieses jungen Kerls. Natur heißt nicht nur spontan Vergärung, sondern auch die Umstellung auf ökologischen Anbau. Dazu kommt das Wissen des Vaters und sicherlich auch der mineralstoffreiche Keuperboden. Typisch, knackig, frisch und eher ein intensiver und präsenter Silvaner.

 


 

Es geht aber auch ein trockener Müller-Thurgau und mit trocken meine ich trocken und nicht die „Zechweine“ vom Weinfest. Hier sind wir dann also eher in der Anbauregion Franken. Man sagt ja nicht umsonst „fränkisch trocken“ und meint damit die eher mineralische Geschmackausrichtung der Weine. Perfekt für alle, die bei dem klassischen Spargelgericht ein bisschen mehr geschmacklichen Dampf im Glas haben wollen.

 

Mueller

 

Wenn ich Franken und Müller-Thurgau zusammenbringe, dann gibt es bei mir nur eine Wahl: Horst Sauer! Also wenn man mal die Chance hat, mit Horst zu sprechen, dann merkt man erst, wie komplex das „Weinmachen“ überhaupt ist und wie viel man vorher im Kopf durchspielen und bedenken muss, um nachher so ein Ergebnis im Glas zu haben. Wein entsteht bei Ihm im Kopf! Mit seiner Tochter Sandra ist mittlerweile die nächste Generation am Start und gemeinsam wachsen Sie immer weiter hinaus. Wenn das denn überhaupt noch geht. Einfach mal die Prämierungen im Netzt ansehen. Zum Müller nur so viel:  Muss man mal getrunken haben!

 


 

Auch ein leichter Roséwein aus der Rebsorte Spätburgunder ist eine Möglichkeit. Hier darauf achten, dass er trocken ist und nicht zu fruchtig daherkommt. Den würde ich zum Beispiel empfehlen, wenn es etwas Gegrilltes zum Spargel gibt. Röstaromen und leicht erdige Noten vom SpäBu – richtig klasse.

 

Salwey

 

Wenn man von Spätburgunder reden will, muss man ins Badische. Und wenn es dann um einen Rosé geht, dann kommt man an Konrad Salwey einfach nicht vorbei. Da ist nichts „mainstream“ oder „blablabla“. Konrad macht trockenen Wein, also fast ohne Restzucker und eigentlich komplett durchgegoren. Trotzdem extrem elegant und fruchtig, auch wenn man das bei diesem Stil nicht glauben möchte. Für mich immer wieder – und nicht nur für mich – der beste Rosé aus Deutschland.

 


 

Wenn Ihr also irgendwann einmal jemandem die Frage nach der richtigen Weinempfehlung stellen wollt. Seid vorbereitet! Wichtig sind die Aromen, die das Gericht dominieren und Komponenten wie Süße, Säure und Salz! White wine with the fish ist nicht grundsätzlich falsch. Aber je nach Zubereitung gehen auch ein Rosé oder sogar ein Rotwein – ja wirklich!

 

Der allerwichtigste Grundsatz ist aber: Schmecken muss er!

Euer Kai