Grilled ribeye beef steak with red wine, herbs and spices on stone table

Ultimativer Grillwein? Fehlanzeige!

 

Letzte Woche war endlich mal wieder gutes Wetter und natürlich wollte meine Familie grillen. Wie ich da so meinen alten, noch von meinem Vater übernommenen Grill – ein durchgeschnittenes Bierfass – so richtig oldschool mit Zeitung anheize, überkommen mich nostalgische Gedanken. Damals, also vor über 30 Jahren, habe ich noch traditionell am zweiten Januar mit meinen Kumpels angegrillt und jeder hat uns für verrückt erklärt. Meine Weinempfehlung hierfür wäre jetzt definitiv ein Glühwein! Heute grillen die Leute das ganze Jahr über und das Kopfschütteln meiner Jugend hat sich vollkommen ins Gegenteil verkehrt.

 

Es hat sich in den letzten Jahren generell viel in der deutschen Grill-Kultur verändert. Heute steht man vor einem an die 1000 € Hightech-Grill, betrieben mit Gas, Pellets oder traditionell mit Buchenholzkohle. Man „verbrennt“ sein Fleisch in Sekundenbruchteilen im Beefer, betreibt stundenlanges Niedertemperaturgaren oder smokert sich einen ab. Statt der guten alten Wurst und dem lecker marinierten Nackensteak findet jetzt alles, von dem man nur ansatzweise denkt, es könnte ein paar Röstaromen vertragen, den Weg auf den Grillrost.

 

Wer jetzt daran denkt, was bei einem selbst so alles vor sich hin brutzelt, kann es sich eigentlich schon denken. Ein ultimativer „Grillwein“ – Fehlanzeige. Es stellt sich also die Frage, was für ein Grill-Typ Du bist.

 

 

Bist Du eher so ein Neandertaler-Typ? Ganze Tiere und Hitze sind Dein Ding?

Dann bist Du ein Steak- und Feuer-Griller.

 

 

 

Tja dann benötigst Du einen ursprünglichen, roten Wein. Einen, der sich mit dem Fett, dem Fleischsaft und diesen herrlichen Röst-Aromen zu einem einzigartigen Fleisch-Erlebnis vereint. Du benötigst einen Malbec! Das war nun nicht schwer. Eigentlich muss man nur schauen, was für einen Wein die Menschen trinken, in deren Heimat das Grillen vom Rind schon fast eine heilige Religion ist: Argentinien! Asado nennt man das gesellige stundenlange Grillvergnügen und ganze Rinderherden werden dabei vertilgt. An die 100 kg isst der Argentinier im Schnitt pro Kopf und Jahr und dazu trinkt er natürlich literweise Malbec.

 

Wein

 

Nun ist der Malbec – wie auch die meisten Menschen in Argentinien – ein Einwanderer, der hier eine neue Heimat und beste Bedingungen für ein optimales Leben gefunden hat. Dreiviertel der weltweiten Produktionsmenge stammen mittlerweile von dort. Ursprünglich stammt er aber aus Frankreich, genauer gesagt aus dem Cahors. Einer zwar wunderschönen und wildromantischen Gegend, aber irgendwie so mitten im Nirgendwo. Da muss man schon hinwollen, ansonsten wird man das Cahors nicht finden. Auch darf man die Einheimischen hier nicht unbedingt nach Malbec fragen, denn den kennen sie vielleicht gar nicht unter diesem Namen. Man findet fast 400 Synonyme für diese Rebsorte in der Gegend. Versuche es mit „Vin Noir“ das könnte klappen. Der Malbec ist weintechnisch eher eine Diva, treibt früh aus und ist anfällig gegen Frost und andere Wehwehchen.

 

Und Vorsicht! Er ist auch ein harter Hund, wie viele ursprüngliche Rebsorten aus dem Süden Frankreichs. Wer jetzt nicht aufpasst und einen „ursprünglichen“ Malbec erwischt, der hat dann das Gefühl von: meine Frau Simone sagt immer: „Eichenbohlen im Mund“. Damit meint Sie die Gerbstoffe – Tannine – die ein Wein hat und die in diesem Fall auch der Malbec benötigt, um eben dem Fleischgenuss zu trotzen. Klar muss auch bei dem Malbec die Frucht von Pflaume, Blaubeere und Kirsche im Vordergrund stehen, die dann mit Tabak, Bitterschokolade, Gewürznoten und den erwähnten Tanninen ein harmonisches Gesamterlebnis ergeben.

 

 

 

Ich bin Weineinkäufer und natürlich auch Weinliebhaber und fühle mich verpflichtet, eine Rebsorte auch zu begleiten und ihre Möglichkeiten aufzuzeigen.

 

 

Also ab ins Cahors auf den Spuren des Malbec oder Cot oder was auch immer. Nun ist es leider nicht so, dass ich meine Tasche packe und mal zwei Wochen die Weingüter einer Region abklappern kann. Ist eigentlich schade, aber irgendwie hat mein Chef für so eine Idee gar kein Verständnis. Das Ganze läuft doch unspektakulärer ab und hat viel mit Versuch und Irrtum zu tun. Irgendwann habe ich dann gehört, dass es im Cahors einen ganz Verrückten gibt. Der da seiner Leidenschaft zu der Region und dem Malbec hemmungslos frönt – Alain Dominique Perrin ist sein Name – und das hat mich neugierig gemacht. Also Internet, Kontakte, Mail und dann ein Telefonat und ich habe … den Malbec aus dem Cahors.

 

Und ich meine wirklich den Malbec. Seit verbrieften über 500 Jahren wird auf dem von Alain 1979 gekauften Chateau Lagrezette Malbec angebaut und vinifiziert. Alain ist kein Winzer, aber ein Mann der sich mit schönen Dingen auskennt und der es auch versteht, dem Malbec seine wahre Seele zu verleihen. Also, wenn Du zu Deinem saftigen Steak vom Grill den ursprünglichen Malbec aus seiner Heimat haben willst, dann gibt es nur eine Wahl: Lagrezette Pourpe de Garzete Malbec.

 


 

Château Lagrezette Pourpre de Grézette Rotwein trocken 14% vol 0,75l

 


 

Möchtest Du aber lieber so richtig asadomäßig deinen Malbec trinken, dann geht es eben in die Anden. Nun sind die Argentinier auf dem deutschen Weinmarkt nicht so richtig präsent. Bei uns in den Regalen findet man eigentlich nur sogenannte Eurofüllungen, also als loser Wein in Argentinien gekauft und dann in Europa unter diversen Etiketten abgefüllt oder aber die Weine der weltweit operierenden Mega-Produzenten. Das ist zwar nicht schlecht, aber eben auch nur bedingt das wahre Argentinien. Vor zwei Jahren habe ich mich dann auf der Pro Wein, dem Mekka der ganzen Weinwelt, gezielt auf die Suche gemacht. Stell Dir vor: Gefühlte 100 Winzer drängen sich um einen Stand, an dem jeder ungefähr zwei Meter Platz hat, um seine Weine zu präsentieren. Die Qual der Wahl, da hilft nur Intuition.

 

Auf einem dieser zwei Meter stehen ein paar anders designte Flaschen und wenn man sonst keine Idee hat, dann eben die Optik. Bin ja schließlich auch bloß ein Mann. Hinter diesem Stand sitzt ein Mann, schlafend. Das fängt ja gut an. Also Selbstbedienung? Da geht plötzlich sein Handy los, er schreckt hoch und schaut mich dann ein wenig verwirrt an. Aber er ist sofort im Ausschankmodus und erklärt mir, dass er gerade aus New York gekommen ist, wo er die Weine nur in der Spitzengastronomie verkauft. Und wie ich mich so durch die Kollektion probiere, erzählt mir Santiago – mittlerweile sind wir schon beim Du – dass die Weine sein Vater Antonio Mas macht. Nun muss man wissen, dass Antonio Mas in Argentinien so etwas wie der Gottvater des modernen Malbec ist und die argentinischen Weine in den letzten 30 Jahren nachhaltig geprägt hat. Mit der Bodega Sumun hat er sich seinen Traum erfüllt und macht jetzt seine eigenen Weine. Das ist genau das Argentinien, das ich gesucht habe. Also wenn Sie einen „Asado“ haben wollen, dann müssen Sie diesen Wein dazu versuchen: Sumun Antonio Mas Malbec Single Vineyard Mendoza.

 


 

Antonio Mas Single Vineyard Malbec 2013 Rotwein 14% vol 0,75l

 


 

Cheers Euer Kai