Rubber stamp with the text one hundred percent vegan stamped over cardboard background. 3D illustration.

Wie kann Wein nicht vegan sein?

Heute schreibe ich mal über ein persönliches Reizthema und ich möchte mich gleich im Vorwege für den einen oder anderen Fehlgriff in meiner Wortwahl entschuldigen. Ich möchte auch vorwegschicken, dass ich eindeutig für saubere Lebensmittel bin, mir das Tierwohl am Herzen liegt und ich absolut auf natürliche Lebensmittel stehe! Wir haben ein Recht darauf, zu wissen was in unseren Lebensmitteln drin ist, auch wenn es eigentlich nicht rein gehört.

 

Es gibt Vegetarier, Pescetarier, Veganer und Flexitarier. Wir reden von „free from“ und achten auf Laktose, Gluten oder sonst irgendwelche Stoffe, die wir modernen Menschen in unserer zivilisierten Welt einfach nicht mehr vertragen. Und für alles gibt es ein Label von – manchmal sogar dubiosen – Vereinigungen.

 

Manchmal wünsche ich mir schon einen Beipackzettel, der mir erklärt, was mir dieses Logo eigentlich verspricht und dann auch hoffentlich hält.

 

Bio ist nicht gleich Bio und jeder legt das für sich schon wieder anders aus.

 

Wie Ihr ja wisst, ist meine bessere Hälfte Simone Vegetarierin. Wenn ich aber dann eins von diesen werbeunterstützten vegetarischen Produkten mit nach Hause bringe…Shitstorm pur! Weil die Herkunft des Fleischersatzes aus ihrer Sicht fragwürdig ist. „Das ist für solche Leute wie Dich“, sagt Sie dann, „nur für das gute Gewissen.“

 

Dieses ganze „Greenlabeling“ grenzt für mich dann eher schon an Verbrauchertäuschung und wir legen einen Schleier des guten Gewissens um die Produkte und machen dann fleißig weiter wie bisher. ACHTUNG: Es ist nicht gut, nur weil es geprüft und nach gut aussieht.

 

Nun auch noch veganer Wein… mittlerweile schleppt mir jede Großkellerei ein Produkt an, das als vegan gekennzeichnet ist. Läuft echt super überall, extrem hohe Abverkaufsraten. Ja sagt mal, für wie dämlich muss ich den allgemeinen Weintrinker denn nun halten? Mach ein Zeichen drauf und schon ist die Welt schön?

 

Zeit einmal die Luft aus diesem Thema zu lassen.

 

Also fangen wir bei dem Begriff „vegan“ an. Es gibt keine eindeutige Regelung, ab wann ein Produkt vegan ist. Grundsätzlich sagt man, dass keine tierischen Stoffe bei der Produktion eingesetzt werden. Aber gilt das auch für die Verpackung? Oder für alles, was an einer Produktion teilnimmt? Ist der Wein noch vegan, wenn eine Fliege mit in die Presse gerät? Oder der Winzer einen Ledergürtel trägt? Kein Witz! Sind tatsächlich Fragen, die von Organisationen gestellt werden, die ein veganes Label vergeben.

 

Damit sind wir bei dem Label-Wirrwarr. Also grundsätzlich kann jeder – auch Du und ich – so ein Label kreieren und dann vermarkten. Wir müssen dann nur noch ein paar Dumme finden und schon fließen die Lizenzgebühren in unsere Taschen. Klingt doch super. So ein Label ist schon ein einträgliches Geschäft und je mehr Kunden das Produkt kaufen, umso mehr Profit.

 

Deswegen Augen auf beim Flaschenkauf und immer prüfen, ob die Inhalte des Labels mit den subjektiven Vorstellung von vegan d’accord gehen.

 

Jetzt natürlich die Frage alle Fragen: Gibt es Wein, der nicht vegan ist? – Ja, den gibt es!

 
Ja, so wir Ihr jetzt aus der Wäsche schaut, hat mich meine Simone auch angesehen und sich beinahe an Ihrem Rosé verschluckt. Um jetzt nicht zu sehr in die Weintechnik abzurutschen, gebe ich an dieser Stelle eine einfache Erklärung. Um Trübstoffe (jeder Saft ist eigentlich naturtrüb) oder gewisse Fehler aus dem Wein zu bekommen, kann man Hilfsstoffe einsetzen. Einige dieser möglichen Hilfsstoffe, wie zum Beispiel Kasein, Eiklar, Hausenblase (Fischblase) und Gelatine sind tierischen Ursprungs. Sie gelten nicht als Zusatzstoffe, weil sie, nachdem sie ihren Job erledigt haben, wieder rausgefiltert werden. Auch heute sind diese Stoffe noch erlaubt, nur werden sie in der Regel nicht mehr verwendet. Es gibt ganz einfach bessere und billigere Lösungen. Aber die Frage nach dem veganen Wein ist durchaus berechtigt. Auch wenn man heute schon richtig viel Pech haben muss, um einen nicht veganen Wein zu kaufen.

 

Wenn ich mit unseren Winzern über das Thema spreche, dann schütteln alle ungläubig den Kopf und fragen sich, mit was für einem Quatsch sich der Kai da beschäftigt. „Solche Mittel hat mein Vater noch eingesetzt, aber wir arbeiten schon seit Jahren anders und wieso soll ich meinen Wein als vegan kennzeichnen. Für mich ist das doch völlig logisch, dass mein Wein vegan ist.“ So, da habe ich den Salat. Die Verbraucher wollen veganen Wein. Wir haben tausende im Sortiment und der Winzer versteht nicht, warum er jetzt ein Logo bezahlen soll, damit jeder das Normalste von der Welt abgedruckt bekommt. Mal abgesehen von den Gebühren – echte Sparfüchse diese Winzer halt.

 

Und was sag ich jetzt dem Menschen, der veganen Wein möchte? Also das ist jetzt doch relativ einfach.
 

In der EU und in Deutschland gibt es eine Kennzeichnungspflicht und alle Allergene müssen auf dem Etikett angegeben werden. Hierzu gehören z.B. auch Eiweiß, das heißt Kasein, Eiklar und die Gelatine, sie sind darüber also abgedeckt. Es bleibt nur die Hausenblase. Die muss leider nicht auf dem Etikett angegeben werden. Aber die Chance, einen Wein zu finden, der damit geschönt wurde, ist fast gar nicht existent. Es ist einfach zu teuer!

 

Was ist denn jetzt das Fazit? Ein Label muss nicht unbedingt den gewünschten Erfolg bringen. Manchmal reicht es auch, das Etikett genau zu lesen und nicht irgendwelchen Marketingstrategien blind hinterherzulaufen.

 

Ganz wichtig aber ist das Vertrauen in den Winzer, der mit seinem Selbstverständnis und seiner Philosophie einfach ganz natürlich seine Weine schönt und damit automatisch vegane Weine produziert.

 

Cheers Euer Kai