left side view on a flame grilled double stack cheeseburger, lettuce, tomato, with three sauces, chips in a metal basket, red wine, tasty set

Amerikanischer BBQ-Wein – oder doch Cola aus Trauben?

Ihr kennt das ja sicher. Man kommt nach einem arbeitsreichen Tag ein wenig abgespannt nach Hause. Die bessere Hälfte ist am telefonieren. Man zieht sich was Legeres an und freut sich auf den Feierabend.

 

So weit so gut.

 

Ich bin also so langsam im Entspannungsmodus und überlege gerade, ob ein Glas Wein nicht der wohl verdiente Ausklang des Tages wäre, da kommt meine Frau um die Ecke: „Hallo Schatz. Das war gerade Anja. Sie hat uns am Samstag zum Grillen eingeladen, und fragt, ob wir nicht was mitbringen können.“ Wie wäre es mit einem Knebel für die Kinder, denke ich so bei mir oder vielleicht ein Schlafmittel mit Sofortwirkung… „Hast Du mir eigentlich zugehört?“ kommt es dann von meiner Frau Simone. „Aber natürlich“ – jede andere Antwort wäre an dieser Stelle jetzt echt fatal. „Was habt Ihr denn besprochen?“

 

„Anja findet es immer toll, wenn wir eine Flasche Wein mitbringen. Du hast immer so schöne Geschichten zu dem Wein. Ist ja auch das Einfachste für uns.“ Warum denkt eigentlich jeder, dass die richtige Flasche Wein etwas Einfaches ist.

 

Auch wenn das jetzt nicht so klingt – Anja und Ihre bessere Hälfte Frank sind wirklich nett. Auch die Kinder werden immer größer und fangen langsam an, sich halbwegs wie Menschen zu benehmen. Also, Samstag Grillen bei Frank und Anja und ich bin für den Wein zuständig.

 

Nun sitze ich also da mit meinem Bickbeermus und anstatt mich mit einem schönen Glas in der Hand zurückzulehnen, versuche ich mich zu erinnern, wie die Grillfeten bei den beiden immer ablaufen und welchen Wein ich dazu präsentieren kann – wegen Geschichte und dazu passen und so.

Also nochmal: das ist definitiv nicht einfach!

 

 

Anja und Frank haben eine Weile in den USA gelebt, genauer gesagt in Jackson Mississippi und seitdem sind die beiden richtige Fans der US-amerikanischen Grillkultur. Frank hat sich extra einen original US Smoker kommen lassen. War das eine Show, als das MEGATEIL geliefert wurde. Gefühlt die Ausmaße eines Kleinwagens und dann ein Auspuffrohr, ich sage Euch. Seitdem sitzt Frank vor jeder Grillparty ab 15:00 Uhr vor seinem Lieblingsspielzeug, die Baseballcap der New Orleans Saints auf der Halbglatze und smokert so richtig amerikanisch vor sich hin. Rippchen mit seiner Mississippi-Marinade, Tomahawk-Steaks und natürlich Burger! So richtig mit Bacon und Käse überbacken. Fett pur – aber lecker.

 

 

Barbecue Wagyu cheeseburger with onions and tomatoes as close-up on a cutting board

 

 

Nun also für dieses Event den richtigen Wein. Mississippi-feeling, Röstaromen, Raucharomen und Fett. Dazu Gewürze bis der Arzt kommt und BBQ-Saucen. So viel an dieser Stelle zu dem Thema „einfach“, meine liebe Simone.

 

In meinem Kopf beginnt die Weinsuche: Rotwein, USA, Franks BBQ-Stil und dann noch die Geschichte für Anja.

 

Jetzt mache ich mich doch auf den Weg, um mir ein Glas Wein zu holen. Das artet ja langsam richtig in Stress aus. Ich rattere in Gedanken die Weine aus den USA durch und stelle wieder fest: Ich habe irgendwie ein gestörtes Verhältnis zu den amerikanischen Weinproduzenten. Hier redet man von „winemaker“ und das was aus Übersee zu uns „rüberschwappt“ sind in der Regel gemachte Weine. Also zig tausende von Litern mit immer dem gleichen Geschmack und das jedes Jahr. Okay, das muss man auch können und sie schmecken ja, aber mir fehlt immer so ein bisschen der Zugang zu den Weinen. Ich denke immer an Coca Cola aus Trauben.

 

 

Also versteht mich an dieser Stelle nicht falsch, dass ist vielfach wirklich richtig guter Stoff! Vor allen Dingen, wenn sie nicht für den Massenkonsum gedacht sind. Ich habe da einfach nur ein Kopfproblem. Und während ich noch so sinniere, wie ich nun die Kuh vom Eis bekomme und mich am Samstag mit der Eier legenden Woll-Milch-Sau als der Weinpapst profiliere – kommt‘s.

 

Ich habe da doch im letzten Jahr diesen besonderen Wein ins Sortiment genommen und irgendwie hatte ich dabei schon damals Frank und Anja bildlich vor mir.

 

 

16838093_oJ_260321_rgbDer Wein heißt 1000 Stories und ist ein sogenannter Icon-Wein, der von Bob Blue nur in einer kleinen Stückzahl gemacht wird. Bob nennt sich selbst „winemaker and storyteller“. Er widmet den Wein den Anfängen der amerikanischen Weinproduktion, als man aus Mangel an Weinfässern alte Bourbonfässer gekauft, neutralisiert und dann für den Weinausbau verwendet hat. Nur interpretiert er diese alte Geschichte neu.

 

Zinfandel, zum Teil von richtig alten Rebstöcken, wird in gebrauchten und diesmal nicht neutralisierten Bourbonfässern einiger der bekanntesten Destillerien ausgebaut. Dies gibt ihm ein ganz besonderes Flavour mit herrlichen Bourbonnoten. Dazu noch ein Teil Zinfandel in ungebrauchten Bourbonfässern ausgebaut, wodurch er ein dezentes Raucharoma bekommt und fertig ist der Wein mit den 1000 Geschichten.

 

Auch das ist natürlich nicht so einfach – hatten wir ja schon – aber alles andere wäre dann doch eine zu lange Geschichte.

 

Nun war es das für mich, endlich Feierabend!

 

USA – check. Rotwein – check. Mississippi-feeling – dank Bourbonflavour check. Geschichte für Anja – check. Raucharomatik – check. Schmeckt – check.

 

 

 

Yippie ya yeah! Meinen Grillwein für das klassiche amerikanische BBQ habe ich gefunden.

 

War ja auch ganz einfach.

Cheers Euer Kai