Four young people making toast at picnic with rose wine and food

Rosige Weinempfehlung – Oder: „Mädelsabend mit Kai“

Jeder, der sich vor den Traualtar gestellt hat oder in einer festen Beziehung lebt, kennt das Dilemma. Man bekommt seine „bessere Hälfte“ einfach nicht solo, sondern hat immer den besten Freund oder die beste Freundin oder aber, wie bei mir, die besten Freundinnen mit an der „Backe“. Und als mir meine liebe Simone nun eröffnet, dass ich mich doch nächsten Samstag mal wieder mit Thorsten treffen könnte, weiß ich Bescheid: Mädelsabend!

 

Nun ist es nicht so, dass ich die Freundinnen meiner Frau nicht ausstehen kann, aber an so einem Abend ist Flucht sicher ein sehr probates, wenn nicht sogar das einzige Mittel. Ich bin aber auch von Natur aus neugierig und so kann ich mir die Frage einfach nicht verkneifen:

 

„Was habt Ihr denn Hübsches vor?“ „Wir wollen Grillen!“

So das war‘s nun. Jetzt bin ich raus. Die Mädels wollen grillen. Bei uns im Garten. Auf meinem Grill. Und dann kommt noch honigsüß hinterher:

„Suchst Du uns noch was Schönes zum Trinken raus. Du weißt doch, was wir so mögen. Ist eine Kleinigkeit für Dich.“

 

Von wegen Kleinigkeit. Ich weiß doch, was die lieben Damen unter Grillen verstehen. Grüner Salat mit all in, was heißt Paprika, Gurke, Pilze, Zwiebel etc. mit einem schönen Joghurtdressing, gegrillte Jalapenos – gemeint sind die Pimientos de Padrón – mit Meersalz und Parmesan, Grillkäse in sämtlichen Variationen. Was das Kühlregal so bietet. Und dann ganz viele Fleischersatzstoffe, die der Zeitgeist von heute für den ambitionierten Vegetarier oder Flexitarier so auf den Markt bringt. Nun will ich nicht dagegen wettern. Es gibt eine Menge dieser Produkte, die richtig lecker sind und die auch mir schmecken. Aber welchen Wein empfehle ich dazu?

 

Boahh, da habe ich echt keine Idee. Bitterstoffe und leicht grasige Noten. Sorry, da bin ich jetzt raus.

Ich muss mir ein anderes Motto suchen, damit ich punkten kann.

 

Halt Stopp! Das ist die Lösung: eine rosige Sommerparty. Das ist jetzt definitiv ein Plan.

 


 

Als Starter oder wie es so schön heißt Aperitif machen wir einen Crémant Rosé oder wie ein Freund von uns immer sagt „Krämand“ – nicht jedem ist die richtige Aussprache gegeben. Crémant ist eigentlich nur der französische Begriff für Schaumwein, aber momentan richtig angesagt. Adé Prosecco! Fachlich muss ich kurz einstreuen, dass es sich bei einem Crémant um einen Sekt handelt, der in der traditionellen Flaschengärung produziert wurde. Mit den billigen Tankversektungen, wo in kurzer Zeit eine große Menge produziert wird, um dann für wenig Geld verkauft zu werden, haben diese Produkte qualitativ gar nichts zu schaffen.

 

Für meine geliebten Frauen ist mir natürlich nichts zu teuer. Ich wähle also direkt den Crémant Rosé von Aimery aus dem südfranzösischen Limoux.

 

Nicht nur, dass er mit seinen schönen Aromen von Orangen und Himbeeren und diesem Hauch Brioche (frisches französisches Brot) richtig gut schmeckt. Nein, er ist auch ein Nachfahre des ersten Schaumweins auf der Welt. Den der Legende nach haben Mönche 1531 in Limoux durch einen Zufall den ersten Schaumwein produziert. Also eher war es wohl ein Unfall, dass ein fertiger Wein bei der Lagerung in der Flasche noch einmal zu gären angefangen hat. Aber sterile Vorgänge waren damals Fehlanzeige. Glück im Unglück. Erst später hat dann Dom Pérignon, der Gottvater des Champagners, bei seinen Kollegen vorbeigeschaut und hat die Idee in die Champagne getragen und da verfeinert. Nein, kein Scherz. Es muss was Wahres dran sein. Schließlich steht auf der Flasche von Aimery 1531 und der liebe Dom wurde erst 1638 geboren.

 


 

Danach brauche ich einen Rosé als Essensbegleiter. Also mit einer schönen Balance von würzigen und fruchtigen Aromen. In den letzten Jahren habe ich mit einem Tröpfchen aus der Provence immer punkten können, aber ein bisschen Überraschung muss ja sein. Sorry Mädels, diesmal keinen Wein von Brad Pitt. Ist auch besser für den Blutdruck. Jetzt bin ich aber ein bisschen eingeschränkt, weil Provence hätte vom Geschmacksbild schon super gepasst.

 

Es muss etwas Romantisches sein. Übersee ist raus und Spanien feurig, aber romantisch? Italien, Amore aber Rosé? Die sind in der Regel alle so ein bisschen bombig auf der Zunge, eher was so für eiskalt und dann weg damit. Als Essenbegleiter??? Aber halt. Wir haben da doch etwas von meinem Freund Riccardo Pasqua – ja der heißt wirklich Ostern mit Nachnamen, klingt nur besser –  neu ins Sortiment genommen: Pasqua 11 Minutes Rose Trevenezie.
Riccardo ist sozusagen Teil der 3. Generation bei Pasqua und interpretiert Wein eher im internationalen Stil. 11 Minutes soll der italienische Provence Wein sein. Nur 11 Minuten Maischegärung (Saft und der Rest der gepressten Trauben gären zusammen), die 11 zieht sich dann durch die Produktionsschritte und natürlich muss man ihn bei einer Trinktemperatur zwischen 10 °C und 12 °C konsumieren. Story ist alles. Wirklich interessant sind die Rebsorten, die sich in dem Wein wiederfinden. Klassisch italienisch mit Corvina und Trebbiano und international mit Syrah und Carménère.

 

Ergebnis geil – muss ich jetzt einfach mal sagen. Fruchtig, würzig, lange am Gaumen ein eleganter Rosé.

 


 

So, jetzt noch was zum Spaß danach. Also wenn das Getratsche so langsam seinem Höhepunkt zusteuert und der gemütliche Teil beginnt. Das mache ich mir ganz einfach und nehme Simones Haus- und Hof-Rosé von meinem pfälzischen Wein-Taliban Christoph Hammel, der Hammel Sophie Helene Rosecuvée.

 

Ein sehr fruchtiges Cuvée aus Dornfelder und Cabernet im Geschmack süßliche Beeren und Kirschen. Also ganz im Hammel-Stil. Aromatisch und frisch und dabei trocken ausgebaut. Das ist der Trick. Der Wein ist also nicht süß im Sinne von Restzucker, obwohl einem die Zunge etwas anders vortäuscht. Schließlich haben die Mädels bereits gegessen und wollen jetzt nur noch Trinken und Plaudern. Da würde zu viel Zucker im Wein schnell dafür sorgen, dass sie keinen Schluck mehr runter bekommen und pappsatt sind.

 


 

Glass with delicious wine spritzer, closeup

 

So nun noch einen Absacker in Rosé. Ich will ja dann doch beim Motto bleiben und die Sache rund machen. Nein jetzt kommt kein Wein mehr. Jetzt muss es knallen, damit dann jeder auch weiß, dass er auf einer Party war, wenn er morgens die Augen aufschlägt. Als Weineinkäufer bin ich ja durch und durch ein Genussmensch und kenne mich auch mit anderen alkoholischen Getränken aus. Und für die letzte Runde an einem geselligen Abend und um den Gaumen noch mal frisch zu machen, gibt es für mich nichts Schöneres als einen Gin.

 

Ich mag den Spitzmund Gin Rosé aus Kiel. Da bin ich nun ganz Patriot. Alles handgemacht mit heimatlichem Flair. Hoffentlich bekomme ich noch was von der limitierten Edition mit diesem schönen Erdbeeraroma. Der ist genau der Richtige für den Abend.

 

„Habe fertig“ kann ich nun sagen.

 

Noch schnell Thorsten anrufen und das Date für Sonnabend klarmachen. Lecker Bierchen (obwohl das bei meiner Auswahl schon schade ist), ein bisschen tratschen und am nächsten Morgen werde ich wohl erstmal wieder für Klarschiff im Garten sorgen müssen.

 

Cheers Euer Kai