Deftiger Wein zu deftigen Speisen

Ich liebe den November. Die Adventszeit naht. Wir bewegen uns auf Weihnachten zu. Ich habe bereits alle Geschenke – meistens jedenfalls – zusammen und in meinem Kleiderschrank versteckt und kann mich also ganz entspannt den Sinnesfreuden und kulinarischen Genüssen dieser Tage hingeben. Persönlich mag ich es deftig und auch fettig, wobei Simone jedes Mal die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und behauptet, so lange könnte sie auf keinem Laufband rumrennen. Na dann soll sie es halt lassen.

Die typisch norddeutsche Küche fällt bei uns komplett aus. Mit ein bisschen Glück gibt es Rübenmalheur (Simones Bezeichnung für das leckere Rübenmus mit Kochwurst). Grünkohl? Keine Chance! Das haben bei uns die Schweine bekommen und fertig ist Simone damit. Also, wenn ihr eine Sächsin heiratet, dann ändert sich auch der Speiseplan und auch den Labskaus bekommt man dann nur, wenn man ihn im Restaurant bestellt. Meine ganzen leckeren Familientraditionen sind dahin. Mit einer Ausnahme und die lasse ich mir auch nicht nehmen: Im November muss ich einfach ein besonders knuspriges Stück Gans haben. Wenn es sein muss, auch mit grünen Klößen aus Sachsen (das ist Simones Familientradition), obwohl mir der Rotkohl und ein Hauch Sauce dazu reichen würden. Dieses Essen – also für Simone ohne Gans – ist so was wie unsere eigene kleine Tradition geworden.

Dazu gibt es immer – und ich meine immer – eine Flasche Costalago von Zeni. Das ist wirklich der ultimative Rotwein zur Gans und natürlich auch zur Ente. Wobei Federica Zeni sagen würde: „Costalago passt zu allem und geht immer“, womit sie natürlich grundsätzlich auch Recht hat. Nur bei uns ist es halt der Wein zur Gans.


Federica habe ich vor knapp 20 Jahren auf der VinItaly kennengelernt. Das ist die Weinmesse in Verona, wo ganze Familienclans sich dem Rebensaft hingeben und ab mittags die Stimmung ins unermessliche steigt. Ich war seinerzeit mit einem Kollegen auf der Messe. Zeni und besonders der Costalago standen auf unserer Wunschliste. Aus irgendeinem Grund war ich ein bisschen verspätet und mein Kollege kam schon vom Stand zurück. „Keine Chance, die sprechen nur Italienisch, das wird nichts.“ Ich bin dann aber doch alleine hin und habe versucht mit Federica (zu dem Zeitpunkt kannte ich Ihren Namen noch nicht) auf Englisch ins Gespräch zu kommen. Nach ein paar Minuten schwieriger Konversation, hat sie mich dann mit ihren blauen Augen angesehen: „Wir können auch Deutsch miteinander reden. Komm mit, wir setzen uns dahinten in Ruhe hin. Du probierst was und dann schauen wir mal, ob wir zusammen in Geschäft kommen.“ Ich war dann kurz im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos. Mein Kollege kam dann nach einer halben Stunde dazu und hat die Welt nicht mehr verstanden, als wir da lachend und auf Deutsch miteinander gesprochen und zusammen Weine verkostet haben. Federica hat zu ihm nur gesagt „Scusi aber ich spreche nur Deutsch und mache nur Geschäfte mit Menschen, die mir sympathisch sind.“

In den letzten Jahren ist aus dieser Geschäftsbeziehung eine richtige Freundschaft geworden und Federica besucht uns immer wieder. Im Gegensatz zu Simone liebt sie auch die regionale Küche und ist extrem experimentierfreudig. Mit Ihr esse ich dann Labskaus, Rübenmus und auch Grünkohl – alles im Restaurant und immer mit einer Flasche Wein aus dem Hause Zeni.

Jetzt könnte der Fachmann die Stirn in Falten legen und so manch ein Sommelier bekommt jetzt sicher gerade einen Schreikrampf. Das ist dann aber das typische Brimborium um den Wein. Die Weine sind alle ursprünglich mal als Begleiter zum Essen gemacht worden und genau dieses Essen war eher handwerklich und bäuerlich. Also deftig und würzig. Im Valpolicella ist das nicht anders und so harmonieren die in Anlehnung an die alte Tradition vinifizierten Weine eben grundsätzlich auch mit der norddeutschen Küche. Na ja, beim Labskaus , aber das ist so ganz persönlich mein Geschmack, trinke ich dann lieber doch ein Bier dazu.

Cheers Kai