Es kann nur einen geben! Oder: Die Geheimwaffe zum Grillen.

Also nirgendwo wird es mir so bewusst, dass sich die Zeiten deutlich verändert haben, wie bei der gefühlt liebsten Freizeitgestaltung: dem Grillen! Was waren das noch für Zeiten, als wir in jungen Jahren unseren 9,99 DM Grill angeworfen haben und ein paar Würstchen oder, was ganz Besonderes, ein Holzfällersteak gebrutzelt haben. Ein bisschen Kräuterbutter, Senf oder Ketchup dazu – einfach, aber gut. Wenn wir dann am 1. Januar angegrillt haben, wurden wir für verrückt erklärt und für die damalige Zeit war das sicher auch richtig.

Heute wird das ganze Jahr über gegrillt. Schnee, Eis, Regen, Sturm, völlig egal. Über den guten alten Rundgrill ist man bereits lange hinaus. Zuerst muss man die grundsätzliche Glaubensfrage für sich klären: Holzkohle, Pellets oder Gas. Dann investiert man(n) heute im 4-stelligen Bereich in den richtigen Grill. Damit ist es aber nicht getan, wenn man sieht, was man neuerdings alles an Equipment benötigt, um sein Fleisch zu grillen. Wobei, das stimmt ja so nun auch nicht mehr. Mittlerweile grillt man ja einfach alles.

Persönlich habe ich aber das Gefühl, dass der Trend zur Outdoorküche geht. Grillen war gestern: Heute kochen wir. Okay, dann ist das Chaos in der Indoorküche nicht mehr so groß und man hat zumindest frische Luft, Bienen und das Gefühl von Freiheit – es bleibt ein Hauch von Ursprünglichkeit und Abenteuer. Nicht das wir uns jetzt falsch verstehen. Ich grille gerne. Ich bin da nur eher traditionell veranlagt – Feuer, Fleisch und gut is

Zum Glück ist meine Simone da ganz auf meiner Seite und hat mit diesem ganzen Brimborium auch nicht viel am Hut. Das liegt wahrscheinlich in erster Linie daran, dass sie Vegetarierin ist und sich ihr damit die Probleme bei der richtigen „Waffenwahl“ für das perfekte Outdoor-Kocherlebnis nicht stellen.

Und wenn unsere Freunde zum Grillen zu uns kommen, freuen die sich regelrecht, endlich mal wieder richtig zu grillen. So old school mit gutem Grillfleisch, ein paar leckeren Bratwürsten – wenn möglich echte frische Thüringer – knackigem Salat und ein paar Grillsaucen, Ketchup, Senf und natürlich selbst gemachter – indoor – Kräuterbutter.

Ich schweife ab…

Eigentlich wollte ich erzählen, was für mich der ultimative Grillwein ist. Also wenn ich, was leider viel zu selten vorkommt, nur mal ganz alleine mit meiner Simone grille, dann gibt es bei mir ein Entrecôte für „richtige Männer“. Dick geschnitten mit viel Fett als Marmorierung und dann mit viel Hitze kurz von beiden Seiten gegrillt, damit es leicht karamellisiert. Dann muss es ein bisschen ruhen, bis es von innen herrlich saftig und noch ganz leicht blutig – in Fachkreisen medium rare genannt – ist. Dazu gibt es dann – Trommelwirbelden Ripasso Superiore von Tommasi. Frei nach Highlander: Es kann nur einen geben. Herrliche Fruchtnoten von Schattenmorellen, Aromen getrockneter Früchte, leichte Tannine, Kakao, Lakritz in der genussvollen Kombination mit dem puren Fleischgeschmack und seinen karamelligen Röstnoten. Gaumensex. Nicht zum Teilen. Naja, ein Glas Wein bekommt Simone schon ab und ansonsten ist sie ja Vegetarierin – zum Glück.

Nun fragt ihr Euch sicher: Wie kommt man bloß auf einen Ripasso als perfekten Grillwein und das dann auch noch von Kai, der ein bekennender Weißweintrinker ist? In diesem Fall muss ich ganz klar sagen: Erfahrung und Erleben.

Als ich vor ein paar Jahren in Verona auf der italienischen Weinmesse VinItaly war, habe ich in dem Hotel der Familie Tommasi der Villa Quaranta gewohnt. Das war eigentlich mehr aus der Not heraus entstanden, da anlässlich der Messe die Hotels im Umkreis von 100 km total ausgebucht waren. Glück gehabt!

Nach einem langen und wirklich harten Tag auf der Messe – und ja, Wein verkosten ist ein wirklich harter Job und kein Spaß – war ich auf dem Weg zum Taxistand, um ins Hotel zu fahren… und nur noch Füße hoch, was Kühles zu trinken, etwas essen und dann schlafen. Und ich wusste, es war noch ein langer Weg bis ins Hotel. Italien & Taxi?

Das bedeutet: Beine in den Bauch stehen und die Leute vor dir in der Schlange zählen. Also, wie gesagt, ich war auf dem Weg das abendliche Martyrium anzugehen, als mir plötzlich ein junger Italiener gegenüberstand, den ich im Hotel schon mal gesehen habe. „Scusi, Signor Krohn?“,  kommt er freundlich auf mich zu. „Ich bin Pierangelo, Pierangelo Tommasi. Sie wohnen bei uns im Hotel. Soll ich Sie mitnehmen?“ Ein Engel, ein Engel namens Peter und dann noch die perfekte Mitfahrgelegenheit in einem schnittigen italienischen Sportwagen ohne Dach. „Ich muss nur noch schnell zu uns in die Firma, liegt aber auf dem Weg und dauert nicht lange“. Mir doch egal, besser als am Taxistand ist es allemal. Wir legen also noch einen kurzen Zwischenstopp ein, Pierangelo macht eine kurze Führung mit mir und auf dem Weg nach draußen schnappt er sich noch zwei Flaschen Wein. „Schon Pläne für das Abendessen?“, fragt er mich. Ich zucke mit den Schultern. Eigentlich nicht. „Dann kommst Du zu mir. Ich wohne gleich neben dem Hotel. Wir essen eine Kleinigkeit und trinken etwas Wein.“ Also kurz ins Hotel, geduscht und etwas Legeres angezogen und kurz danach stehe ich bei Pierangelo hinten im Garten. Und dann ein perfektes Entrecôte über dem offenen Holzkohlegrill gegrillt, dazu die beiden Flaschen Ripasso und ein tolles Gespräch. Ein unvergessliches Erlebnis und deshalb muss ich einfach jedes Jahr mindestens einmal diese lukullischen Genüsse bei mir zu Hause zelebrieren.

Nun könnte man ja sagen, ein Ripasso muss es nicht sein. Doch! Es gibt mittlerweile ganz viel Apassimento aus den verschiedensten Ländern und Rebsorten. Ja, die nennen sich so, werden aber nicht so handwerklich und mit viel Zeit produziert wie ein Ripasso. Natürlich sind diese Weine in einem ähnlichen Stil und man kann sie durchaus gut zum gegrillten Fleisch trinken. Es geht aber nichts über ein Original aus gutem Hause und deshalb…

…eine Ausnahme würde ich machen. Den Dried Shiraz von Sydney Wilcox aus Australien. Warum? Also erstens ist Shiraz oder auch Syrah eine Rebsorte, die perfekt harmoniert mit fettigem Fleisch oder auch Wurst. Dann noch aus getrockneten Trauben gekeltert, mit konzentrierter Aromatik und Fruchtsüße, ist das schon ein besonderes Erlebnis. Wie mein Freund und Master Sommelier Phil Redman diesen Wein so hinbekommt? „Kai, I can explain you how we produce the Dried Shiraz. But sorry, after that I have to kill you.” Na dann lieber einfach ein Flasche öffnen und ein Glas genießen und schei* egal wie Phil das macht.

Cheers Kai

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