Kerzenschein, Kamin & Wein

Simone hat nun seit September einen neuen Job. Nach 15 Jahren Käseverkauf hat sie noch einmal komplett die Branche gewechselt und macht jetzt in Kerzen. Tja, ganz was anderes und ob ich damit glücklich bin, statt ab und zu mal den einen oder anderen Käse aus der Musterlieferung auf mein Brot zu bringen, nun mit traditionellen Leuchtmitteln konfrontiert zu werden, wird sich erst in der Zukunft zeigen.

Egal, Hauptsache Simone ist glücklich und zufrieden mit der neuen Aufgabe. Frei nach dem Sprichwort: Happy wife, happy life. Jedenfalls hat Sie sich in den Kopf gesetzt, auch bei Kerzen alle mit Ihrer Fachkompetenz zu überzeugen und so sind in den letzten Wochen jede Menge Musterpakete eingetroffen, die sich schon bei uns im Keller stapeln. Wenn jetzt jemand denkt „Kerze ist Kerze“, dann möge er das bitte für sich behalten. Es gibt tausende von Unterschieden und diese nicht nur in Form und Farbe, sondern auch in Ihrer Funktion. Vom Mücken vertreiben bis hin zur Wohlfühlaromakerze ist alles möglich. Ich habe sogar ein Paket Gartenfackeln entdeckt. „Wir müssen das alles testen und ausprobieren“ sagt Simone. „Ich muss ja wissen wovon ich rede.“

Wenn Ihr jetzt denkt, ich verwandle unsere Wohnung in eine sakrale Kultstätte und überall flackern die Dochte, dann muss ich Euch enttäuschen. Wir haben acht Stubentiger und die und offenes Feuer ist ein echtes no go. So viele Feuerlöscher kann ich gar nicht anschaffen, um gebannt stundenlang vor einer Flamme zu hocken – mit zwei Händen die Katzen abwehrend – und zu merken, ob die Kerze mein Wohlbefinden steigert. Reine Utopie. Nein, einfach Nein.

„Wir machen das im Garten, in unserer Orangerie.“ Simone meint das etwas noblere Gewächshaus, dass bei uns im Garten steht und wo wir im Sommer, wenn es draußen zu kalt wird, den Abend noch um ein bis zwei gemütliche Stunden verlängern können. „Dann kannst Du auch die Gartenfackeln ausprobieren.“ Sch****, jetzt hat sie mich. Wird ja wahrscheinlich auch nicht ganz so kalt, wenn hunderte von Lichtlein um mich brennen. So ein bisschen wie vorweg genommene Weihnachten. Kann ja ganz gemütlich werden und zum Glück haben wir keinen Flugplatz in der Nähe, sodass die Gefahr von durch die Lichter irritierten Flugkapitänen auch nicht gegeben sein sollte.

„Wir machen das gleich nächstes Wochenende. Der Himmel soll klar bleiben, wir können die Sterne beobachten und trinken ein schönes Glas Wein.“ Klingt echt nach Romantik pur und das nach fast 20 Jahren Ehe. Dann muss ich für so einen festlichen Anlass nur noch den richtigen Wein besorgen. Simone und ich trinken Weißwein und ausgewählte Rotweine eigentlich nur zum Essen, aber in diesem Fall muss es ein Rotwein sein. Alleine wegen der Atmosphäre, der Gemütlichkeit und dem Kerzen-beim-Abbrennen-zusehen.

Seit ein paar Jahren gibt es so eine Art Weintrend.

Die Leute möchten Rotweine, die einen Hauch von Marmelade auf der Zunge erzeugen. Dick & Fruchtig. Ripasso, Appassimento, Primitivo, Zinfandel, Governo. Alles Synonyme, die dem Weintrinker die Fruchtbomben versprechen. Aber Vorsicht: Dort, wo diese Worte draufstehen ist nicht unbedingt auch das gewünschte Gaumenerlebnis drin.

Grundsätzlich handelt es sich dabei um Weine, bei dem den Trauben auf dem einen oder anderen Weg ein Teil des Wassers entzogen wurde, bevor sie dann zu Wein gekeltert werden.  Furore machte dabei in den letzten Jahren der Doppio Passo und wir waren mit die ersten, die diesen Wein in Deutschland verkauft haben. Mittlerweile sind die Regale voll mit Weinen in diesem Stil. Ja, immer wenn etwas erfolgreich ist, dann machen das viele nach. Und es gibt mittlerweile viele leckere Rotweine von vielen guten Produzenten, die man käuflich in Deutschland erwerben kann. Also habe ich für mein Kerzenevent die Qual der Wahl. Grundsätzlich kann ich Euch da so einiges empfehlen: Narassa von Lafage, Casale Burgio von Settesoli, Barbera Passito von SanSilvestro oder aber auch Paso Doble von Masi aus Argentinien. Mein persönlicher Favorit, und den werde ich auch kaufen, ist das Original vom Original, also der ursprüngliche Wein von dem Mega-Seller im deutschen Handel. Wer mich jetzt nicht versteht, für den einmal die kausale Herleitung.

Das wichtigste am Wein sind erstmal die Trauben. Dann kommt die Sorgfalt, mit der ich die Weine keltere und vinifiziere. Wenn ich also mit einem Projekt starte, nehme ich von dem Stapel erst einmal die besten Trauben. Je mehr ich dann an Trauben benötige, desto mehr muss ich Zugeständnisse an die Qualität machen. Je mehr ich dann produziere, desto weniger habe ich die Zeit, sorgfältig bei jedem Schritt zu sein. Das sind natürlich nur Nuancen und es ist ein schleichender Vorgang, aber irgendwann merke ich das dann doch im Glas.

Aber das Original muss es ja noch geben oder es muss zumindest möglich sein, das zu produzieren. Also habe ich meinen alten Freund Franz aus Südtirol angerufen. Franz hat mir in meinen Anfangszeiten ganz viel gezeigt und erklärt, er hat mich in die italienische Weinwelt eingeführt und mir sämtliche Kontakte vorgestellt. Er kennt sprichwörtlich Hans und Franz in Italien und weiß wie der Hase läuft. Außerdem ist er Südtiroler. Wegelagerei seit Generationen. Und alles was in der Flasche aus Italien nach Deutschland will, muss an denen vorbei.

Und wenn man eins für sich verinnerlichen muss: Italien ist Italien, die Weinwelt ist bunt und wenn man in ihr lebt und bekannt ist, sind Wunder möglich. Das ist noch ein Geschäft zwischen Menschen. Nachdem ich Franz meine Gedanken damals mittgeteilt habe, hat er nur gesagt: „Ich melde mich gleich bei Dir.“ Der Rückruf kam dann ein paar Tage später. Auch das ist Italien. „Also eigentlich“  – so fängt jedes italienische Wunder an – „die können Dir den Wein nicht verkaufen. Da gibt es Verträge und man hat ja sogar eine Company zusammen für das Produkt gegründet.“ „Aber…“, jetzt baut der Italiener die Dramatik auf. „Es gibt da einen Tank, der ist eigentlich viel zu schade, um den mit anderen zu vermählen. Den könntest Du bekommen. Ich schicke Dir mal einen Preis und den schaust Du Dir an und Du musst Dir ein eigenes Etikett überlegen. Tankmuster sind zu Dir unterwegs. Denk mal darüber nach und melde Dich dann bei mir.“

Der Preis war italienisch, das Tankmuster war klasse, so wie ich das Original in Erinnerung hatte. Der Rest dann reine Kreativität. Ein Name der passt: Momento Due – google das mal – eine Etiketten-Idee mit einem Bild aus dem Internet und einem der italienischen Freunde von Franz. Und das Plagiat vom Original mit dem originaleren Inhalt landete bei uns in den Regalen. Nächstes Wochenende habe ich also einen Momento Due mit meiner Simone beim Kerzenschein in unserer Orangerie.

Cheers Kai

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