Sommerliebe aus Paris – Calvados!

Ich habe mich verliebt. Im Sommer in Paris. Er heißt Calvados.

Ich saß vor einer kleinen Bar auf dem Montmartre und sah bei untergehender Sonne auf die Stadt hinab. Nach einem guten Essen kam der Kellner an meinen Tisch und fragte, ob er noch etwas bringen könne: Einen Café, einen Digestif? Als ich ihn fragte, was er empfehlen könnte, sagte er: Wir sind nicht in der Normandie ­– aber Calvados, natürlich!

Der Kellner brachte mir ein kleines, sehr bauchiges Glas, das – so schien es – mit flüssigem Bernstein gefüllt war, der an Cognac oder Whiskey erinnerte.

Ich hatte Calvados zuvor noch nie getrunken. Vorsichtig probierte ich deshalb zunächst den Geruch. Dieses Getränk musste aus Äpfeln sein, denn deutlich konnte ich fruchtige Nuancen wahrnehmen.

Ich wagte einen ersten Schluck und schmeckte eine süß-säuerliche Fruchtigkeit, die von einer leichten Whiskeyschwere getragen wurde. Bereits dieser kleine Fingerhut füllte meinen Mund mit unterschiedlichsten Aromen voll aus. Ich hatte mich verliebt. Diesen Sommer in Paris. In diesen Calvados.P-re-Magloire-Calvados-Pays-d-Auge-XO-40-Vol-0-7l

Calvados ist ein französischer Apfelbrand, der aus dem französischen Apfelwein Cidre destilliert wird. Wie bei jedem hochklassigen Brand veredelt ihn die Lagerung in Holzfässern. Je länger die Reifung, desto hochwertiger das Endprodukt.

Als mein Trip nach Paris schon lange hinter mir lag, musste ich wieder an diesen lauen Sommerabend auf dem Montmartre zurückdenken; an diesen Abend, an dem ich mit Calvados auf Brüderschaft trank.

Von der Schönheit der Erinnerung getrieben, stellte ich zu Hause verschiedene Brände auf die Probe: Zunächst versuchte ich den Père Magloire VSOP. Während der vierjährigen Lagerung in Eichenfässern hat dieser Calvados ein vollfruchtiges Aroma entwickelt, das den spritzigen Apfel, der am Anfang des Herstellungsprozesses steht, noch immer deutlich trägt. Ich war auf dem richtigen Weg.

Meinen Favoriten fand ich allerdings in dem Père Magloire, der für die Kennzeichnung X.O. noch weitere fünf Jahre gereift ist. In der insgesamt neun Jahre langen Lagerung hat der Calvados noch deutlicher die schwere, dunkle Farbe der Holzfässer für sich angenommen und für seinen sehr definierten Geschmack nutzbar gemacht. Wie bei kaum einem anderen Apfelbrand blühen beim X.O. von Père Magloire im Mund gleichzeitig whiskeyähnliche Holzaromen neben der für den Calvados typischen vollfruchtigen Apfelschönheit auf.

Ich kann nicht mit Gewissheit sagen, dass ich in diesen zwei Gläsern meine Sommerliebe wiedergefunden habe – sie schmecken aber auf jeden Fall genauso großartig. ich habe den Calvados gefunden, der mir sommerlaue Abende und französisches Flair nach Hause bringt. Das, was ich damals glaubte mehr zu schmecken, machten im Nachhinein, – da bin ich mir sicher ­– sowieso Paris, die Sonne und der Montmartre aus.

 

 

 

One thought on “Sommerliebe aus Paris – Calvados!

  1. Calvados ist wirklich etwas Feines, vielen aber leider gar kein Begriff – zumindest haben mein Partner und ich diese Erfahrung gemacht. Wir bevorzugen außer den Produkten von Père Magloire unter anderem Boulard (besonders den XO für rund 40 Euro) oder – wenn es noch etwas kostspieliger sein darf – Christian Drouin. Eine Flasche Calvados Pays d’Auge XO ist mit etwa 70 Euro zwar nicht ganz günstig, aber unserer Meinung nach jeden Cent wert 🙂

Schreibe einen Kommentar