Auf der Terrasse* fülle ich mein Weinglas mit?!

* Gilt auch für Balkonien.

Erwartungsvoll schaue ich aus dem Fenster: Die Natur ist erwacht und gibt richtig Gas. Überall sprießt es, fängt an zu treiben und zu blühen – leider auch das, was meine Frau Simone nicht im Garten haben will…

Simone scharrt bereits mit den Füßen, das kann man fast wörtlich nehmen… Sie will raus: Unkraut zupfen, Sträucher schneiden, Blumen pflanzen, Gartencenter unsicher machen, Landmärkte besuchen! Und ich muss mit. Also nicht, dass wir uns jetzt falsch verstehen. Ich habe damit kein Problem. Ich bin gerne im Garten oder kaufe Pflanzen. Aber ich bin nicht so gerne die GmbH von Simone. „Geh mal. Mach mal. Bring mal. Hol mal.“ Und bei vielen Tätigkeiten erschließt sich mir einfach der Sinn nicht. Wie hat Mutter Natur das alles bloß in den Millionen Jahren gemanagt, ohne dass wir Menschen dauernd irgendetwas verschlimmbessern mussten?

Der einzige Lichtblick bei diesen Aussichten? Nach getaner Arbeit belohne ich mich mit einem großen Glas Wein und genieße den Ausklang des Tages. Es wird also wieder Zeit, sich mit Literflaschen einzudecken. Das ist meine Größenwahl für die Terrasse, um auch genügend abzubekommen, wenn Simone oder der Nachbar auch einen Schluck haben wollen.

Ich teile gerne, wenn ich genug habe.

Jetzt kein Naserümpfen. Literflaschen sind nicht nur für die Gastronomie gut und vor allen Dingen sind die Weine meist besser. Guten Winzern ist es wichtig, gerade in diesen Flaschen eine tolle Qualität zu haben. Ist ja schließlich der Einstieg und soll zu mehr begeistern.

In diesem Sinne schreibe ich einfach Heger 1.0 mit Ausrufezeichen auf den Einkaufszettel. Damit ich dann auch auf die kommende Gartensaison vorbereitet bin.

Die Weine von Joachim Heger sind einfach meine Terrassenweine. Angefangen hat das vor mehr als 20 Jahren, als ich das erste Mal nach Ihringen gefahren bin, um die Familie Heger kennenzulernen. Joachim war damals schon eine Legende in der Szene und wurde von allen nur der „Burgunderkönig“ genannt. Er war bekannt für seinen Grauburgunder und das zu einer Zeit, als alle nur diesen unsäglichen Italiener mit Namen Pinot Grigio trinken wollten. Oftmals leider wenig Wein für zu viel Geld. Das hat sich heute zum Glück geändert und Joachim hatte bestimmt seinen Anteil daran.

Ich treffe also Joachim und muss erstmal mit Ihm durch die Weinberge am Kaiserstuhl fahren. Das heißt, ich fahre und Joachim zeigt mit die Flurbereinigte Panzerwüste. Also was man da gemacht hat. Weinanbau für Faule und nicht mit der erwarteten Romantik eines der besten Anbaugebiete Deutschlands. Joachim findet das auch nicht so prickelnd und erklärt mir, dass seine Lagen nicht den Bulldozern ausgesetzt waren und dass man dieses bei seinen Weinen auch schmeckt.

Ja schmecken denke ich so bei mir… wäre eine tolle Idee mal was von Ihm zu probieren. Dann führt er mich durch seinen Keller, zeigt mir, was alles noch an Umbauten geplant ist und dass die Probierstube leider geschlossen ist und wir… – Jetzt wird die Luft aber langsam trocken in Ihringen und von den sagenhaften Burgundern ist weit und breit nicht zu sehen. Mittlerweile ist es schon 17:00 Uhr. Ich bin schon seit 6:00 Uhr auf den Beinen und bekomme langsam Durst! „Essen wir heute Abend zusammen? Das Restaurant in deinem Gasthof ist wirklich gut und wir können dann auch ein Glas Wein zusammen trinken?! 19:00 Uhr?“

„Klar doch. Ich kenne hier niemanden. Essen muss ich auch und vielleicht bekomme ich dann auch endlich meinen Burgunder zum Probieren.“

Ich sitze schon ziemlich vertrocknet pünktlich um viertel vor sieben auf der Terrasse vor besagtem Gasthof, blicke in die Sonne und trinke ein Glas Wasser, als Silvia und Joachim Heger sich zu mir gesellen. Der Service kommt. Die Speisekarte ist wirklich vielversprechend und Joachim sagt: „Ich suche uns mal einen Wein aus“ – endlich!: schreit mein Großhirn – „wir nehmen dann einen Bacchus.“

Ja spinnt der denn total? Ich sitze in Baden bei dem Burgunderkönig und der bestellt einen Bacchus?

Das Essen kommt. Der Bacchus auch. Und beides ist wirklich lecker. Dann ist die Flasche leer und der Service möchte uns noch etwas anbieten. „Was wollen wir jetzt noch mal probieren“ fragt mich Joachim. Ich schaue erst ihn, dann Silvia an. Dann wandert mein Blick zu der netten Dame, die auf die Bestellung wartet. „Wir nehmen einen Grauburgunder, am liebsten einen von Heger und gerne auch die ganze Flasche.“ sage ich und ernte damit verwirrte Blicke. „Was?“ frage ich und setze meine Unschuldsmine auf. „Deswegen bin ich ja schließlich hier!“ Plötzlich fängt Silvia lauthals an zu lachen. „Und Du suchst einen Bacchus aus“, sagt sie zu ihrem Joachim. „Ja ich dachte halt mal was ungewöhnliches und besonderes“.

Wir verbringen den Abend auf der Terrasse vom Hotel, unterhalten uns großartig und trinken Grau- und Weißburgunder von Heger – endlich. Seit diesem Abend sind Terrasse und Heger für mich untrennbar verbunden.

Komisch, aber es sind immer diese besonders schönen Erlebnisse, die einem in Erinnerung bleiben und ein Leben lang begleiten. So gehe ich davon aus, dass auch mein Freund E. jetzt mit ähnlichen Überlegungen zu Hause sitzt. Er liebt den Rosé von Chateau Pampelone aus der Provence, seitdem er dort einen unbeschwerten Urlaub verbracht hat. Pampelone hier, Pampelone da. Zugegeben ein richtig schöner Wein, aber eben kein Heger.

Aber egal ob Pampelone, Heger oder ein anderer Wein. Wichtig ist, dass man die Tage genießt und schöne Erlebnisse sammelt und dabei seine eigenen Lieblingsweine entdeckt. Frei nach dem Motto „ein Wein auf dem Weg führt bestimmt zum Ziel“.

Cheers Kai