Guten Freunden gibt man? Ein Glas Wein.

Also langsam geht mir dieses Virus doch ein wenig auf die Nerven. Eigentlich hatte ich die letzten Wochen kein Problem mit dem Hin und Her, dem Auf und Ab und diesem allgegenwärtigen Thema Corona. Mittlerweile bin ich ja selbst schon halber Virologe, angehender Statistiker und laienhafter Fachmann für Impfstrategien.

Mir haben die letzten Monate gefallen. Ich hatte Zeit, um in Ruhe ein Buch zu lesen. Habe mit meiner Simone richtig lecker gekocht und dazu gab es viele richtig gute Tröpfchen. Kurz gesagt: wir haben es einfach genossen, ohne Terminstress und Organisationsdruck gemeinsam Zeit zu verbringen und es uns gut gehen zu lassen.

Nun wird aber Simone zunehmend nörgeliger. „Ich sitze den ganzen Tag im Homeoffice und das schon seit Monaten. Du triffst jedenfalls deine Kollegen und hast soziale Kontakte.“ Na ja, schließlich bin ich ja auch per offizieller Definition systemrelevant und muss sie und ihre Leidensgenossen und Genossinnen mit ausreichend Wein versorgen. Da habe ich jetzt aber auch mächtig zu tun!

Gefühlt ist jeder zweite Deutsche in seinem Homeoffice zum Alkoholiker mutiert und schwäbbelt sich einen, um dem Tag dann doch was Positives abzugewinnen. Bei Simone funktioniert das mit dem Glas Wein abends leider immer seltener. Ich befürchte auf der Zielgeraden zum Impftermin und den Lockerungen bekommt sie nun den Lagerkoller.

„Ich will endlich wieder unsere Freunde treffen.“ Und da das ja bald schon wieder möglich sein sollte und ich keine Lust auf eine Föhnfrisur bei dieser wiederkehrenden Diskussion habe, hat sie von mir den Auftrag bekommen, ein Treffen mit unseren Freunden zu planen. Jetzt machen sich die letzten Wochen unseres privaten Hobbykochkurses doch noch bezahlt und die Liste von „wir könnten das machen“ und „was hältst du hiervon“ wird immer länger.

„Was für ein Wein wollen wir denn mit unseren Freunden trinken?“ Jetzt wird es also doch wieder beruflich für mich. Die Frage ist aber nicht ganz unberechtigt. Wir haben so manch schönen Tropfen genossen, aber der Wein soll ja auch unseren Freunden gefallen, dem Anlass gerecht werden und auch zu dem viel zu vielfältigen Essen passen.

Ein Wein für Freunde ….. am besten von Freunden.

Da habe ich doch was von meiner Winzerfreundin Juliane Eller. Sie hat Weine zusammen mit Ihren Freunden Joko Winterscheidt und Matthias Schweighöfer kreiert.

Juliane habe ich 2016 kennengelernt. Damals war ich mit ein paar Kollegen*innen auf Weinentdeckungs-Tour durch Rheinhessen und bei der Planung bin ich dann auf Juliane gestoßen. Als wir dann bei ihr auf dem Hof waren, stand uns eine junge, selbstbewusste Dame gegenüber. Ich habe damals gleich gedacht, das ist die Helene Fischer der Weinszeneextrem präsent mit einer besonderen Aura und absolut unkompliziert – schwer zu beschreiben.

Vielleicht am besten so: Als ich ein Jahr später mit Juliane abends auf einer Veranstaltung in Berlin war und das Catering über Food-Trucks erfolgte – Ihr wisst schon leckeres Essen bei langem Anstehen und noch längerer Wartezeit – wollten Juliane und ich uns was zu Essen holen und – oh Wunder – leckeres Essen ohne Anstehen und Wartezeit. Das ist Juliane. Wir haben an dem Abend noch viel über Wein gesprochen, so von Winzerin zu Weineinkäufer. Was muss Wein können? Wie wichtig ist das Thema Foodpairing? Welche Rebsorten sind die richtigen? Wir haben auf einer Welle gelegen!

Wein muss in erster Linie Spaß beim Trinken machen. Ein richtiger „Saufwein“ also. Er darf nicht zu kompliziert sein. Wer will schon denken müssen, wenn er mit Freunden zusammensitzt. Klar, muss er auch genug Kraft haben, um zum Essen zu passen, aber vor allen Dingen auch solo richtig lecker sein.

Damals hat sie mir auch von einem Projekt mit ein paar Freunden erzählt- wenn ich da gewusst hätte, wen sie meint – und dass sie mit denen genau solche Weine machen will.

Also werde ich an dem Abend mit unseren Freunden genau diese Weine auf den Tisch bringen. Grauburgunder, Riesling und Rosé. Für jeden etwas dabei und die richtige Wahl für einen Abend mit Freunden.

„Und keinen Kabi von Gerrit Walter?“ fragt meine Simone. War ja klar. Der Pündericher Marienberg war ja auch ein gern gesehener Begleiter in den letzten Wochen. Der läuft so runter und man vergisst ganz schnell die Zeit.

Also grundsätzlich, ein Kabi(nett) von der Mosel ist immer eine gute Wahl. „Der ist aber lieblich und nicht alle mögen liebliche Weine.“ „Der ist nicht lieblich, sondern exotisch-fruchtig“, kontert Simone. „Das ist aber eher ein Zechwein und nicht unbedingt ein Essensbegleiter.“ „Das stimmt doch gar nicht und wenn ist es auch egal. Hauptsache ist doch, dass er schmeckt .“

Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Also noch eine Kiste Kabi von Walter auf den Zettel. Am besten kaufe ich gleich zwei, denn wenn man damit erst einmal angefangen hat, dann hat man ganz schnell die erste Flasche geleert und öffnet gleich die nächste…

Cheers Kai